Wie möchten Sie wirken?

Ein Abend über Mut, Locken und ein bisschen Glitzer

Ankommen, umarmen, loslegen: der Styling-Workshop am 16. Oktober in Hamburg.

Ich hatte den Abend anders geplant. Doch die Teilnehmerinnen wünschten sich vor allem eines: ein Tages-Make-up. Keines für den roten Teppich, sondern eines für das eigene Leben – für den Montagmorgen, das Mittagessen mit der Freundin, den Termin, bei dem man sich gut fühlen möchte.

Also haben wir umgeplant. Ein Workshop, der stur an seinem Programm festhält, während die Frauen im Raum etwas anderes brauchen, ist kein guter Workshop.

Make-up für den Alltag, Wellen für die Laune

Jede Frau, die geschminkt werden wollte, wurde geschminkt. Jede, die ein Styling wollte, bekam eines. Gastgeber war Johannes vom Salon elbschön, der den ganzen Abend geschminkt hat. Jørgen hat zu den Haaren beraten, und Scamanda war die Fee des Lockenstabs: Viele gingen mit weichen Wellen nach Hause.

Ein Tages-Make-up klingt unspektakulär. Ist es aber nicht. Es ist der Unterschied zwischen „Ich habe mich heute nicht gekümmert“ und „Ich habe mir fünf Minuten für mich genommen“. Man sieht diesen Unterschied – und man spürt ihn.

 

Johannes beim Tages-Make-up: frisch, leicht, alltagstauglich.

Scamanda, die Fee des Lockenstabs – und das Handy für den Beweis.

Jørgen berät zu den Haaren.

Was Kleidung mit uns macht

Und dann ging es an die Stangen. Es wurde fleißig anprobiert: pre-owned Designerstücke aus meiner Kuration, vom Max-Mara-Mantel in Camel über rote Kleider bis zu festlichen Stücken mit ein wenig Glitzer. Second Hand, ja – aber jedes Stück von mir persönlich ausgewählt, mit der Frage, ob ich es selbst tragen würde.

Ich war selbst immer wieder überrascht, wie großartig manches aussah. Nicht nur, weil ein Schnitt gut saß oder eine Farbe strahlte. Sondern weil sich die Frauen verändert haben. Mit der Kleidung. Man sieht es, bevor sie es selbst aussprechen.

Genau darum geht es mir bei Second Chapter. Ein vorbesessenes Kleidungsstück hat schon ein Leben gehabt – und bekommt bei einer neuen Trägerin sein zweites Kapitel. An diesem Abend konnte man zusehen, wie es beginnt.

An der Stange: kuratierte Second-Hand-Designermode - mit Mänteln von Max Mara

Ein anderes Kleidungsstück kann ein anderes Bild von sich selbst öffnen. Man muss es nur anziehen.

Dazu gehört Mut. Wer seit Jahren dieselben Farben, dieselben Schnitte, dieselbe Länge trägt, greift nicht einfach so zum Paillettenoberteil. Deshalb war das Schönste an diesem Abend vielleicht gar nicht das Styling, sondern das, was zwischen den Frauen passiert ist: Wir haben uns gegenseitig Mut gemacht. Wir haben ehrliches Feedback gegeben – freundlich, aber ehrlich. Und manche Teilnehmerin hat Dinge anprobiert, die sie für sich nie in Betracht gezogen hätte. Und dabei ein neues Bild von sich entdeckt.

Ein neues Bild von sich – im wörtlichen Sinn.

Die Frage des Abends

Eine Frage habe ich an diesem Abend immer wieder gestellt: Wie möchten Sie wirken?

Die Frage des Abends – und viele ehrliche Antworten.

Nicht: Was ist gerade modern? Nicht: Was darf man in meinem Alter noch? Sondern: Wie möchten Sie, dass andere Sie sehen – und wie möchten Sie sich selbst sehen? Elegant? Nahbar? Souverän? Verspielt? Es gibt keine falsche Antwort, nur eine, die zu Ihnen passt. Und diese Frage verändert, wonach man greift.

Bei den festlichen Stücken kam oft derselbe Einwand: „Schön – aber dafür habe ich gar keine Gelegenheit.“ Ich kenne diesen Satz. Ich habe ihn selbst oft genug gedacht.

Meine Antwort: Dann schaffen Sie sich eine. Ein Abend in der Elbphilharmonie. Ein Essen mit Freundinnen, das Sie zum Anlass erklären. Ein ganz normaler Donnerstag, an dem Sie beschließen, dass er es wert ist. Ein Abendkleid, das im Schrank hängt, wartet auf nichts. Ein Abendkleid, das Sie tragen, macht den Abend.

Gelegenheiten findet man nicht. Man schafft sie.

Rot, Pink, Fuchsia: Stücke, die auf ihre Gelegenheit warten.

Fortsetzung folgt

Viel gelacht – mit Johannes sowieso.

Wir haben an diesem Abend viel gelacht, viel ausprobiert und einander viel Mut gemacht. Dieser Workshop wird wiederholt – den nächsten Termin in Hamburg kündige ich hier und auf Instagram an.

Wenn Sie dabei sein möchten: Bringen Sie Neugier mit. Und die Frage, wie Sie wirken möchten. Die Antwort finden wir gemeinsam.

Danke an Johannes, Jørgen und Scamanda – ohne Sie wäre dieser Abend nicht derselbe gewesen.

— Christa, Gründerin Second Chapter